FDP steht zur Bundeswehr/ Ausschuss "Internationale Beziehungen" besucht Kaserne Bogen
Der niederbayerische FDP-Ausschuss für "InternationaleBeziehungen" hat mit dem Bezirksvorsitzenden Dr. Andreas Fischer, MdL, dieGraf-Aswin-Kaserne in Bogen (Lkr. Straubing-Bogen) besucht. Die Liberalendiskutierten am Samstag (04.2.12) mit Kasernenkommandant Oberstleutnant Erich Scheungrab und seinem designierten Nachfolger Rolf-Tilo Werner-Leister über die Auswirkungen der Bundeswehr-Reform."Niederbayern ist bei der Bundeswehr mit einem blauen Auge davon gekommen", sagte der FDP-Bezirksvorsitzende Dr. Andreas Fischer. "Das Aus für eine Kaserne in Bogen hätte schwerere Folgen für den Standort gehabe. "Wir stehen hinter der Bundeswehr", bekräftigte Fischer. Die Entscheidung, die Wehrpflicht abzuschaffen, sei nicht leicht gefallen, aber aus Gründen der Wehrgerechtigkeit notwendig gewesen.
Oberstleutnant Erich Scheungrab freute sich über das Interesse der Liberalen an der Bundeswehr. Der Standort werde von 1150 auf 750 Planstellen abgebaut, beschrieb er die Auswirkungen der Reform. Zwischen 2013 und 2015 verliere Bogen das Sanitätskommando IV, das bisher für rund 70.000 Soldaten in Bayern und Baden-Württemberg und das Bundeswehrkrankenhaus in Ulm zuständig war. Dies bedeute rund 180 Planstellen weniger. Die ärztliche Versorgungwerde von Feldkirchen übernommen. Weitere 200 Stellen fallen mit der Auflösung einerMannschaftskompanie des 4. Panzer-Pionier-Bataillons weg.
In den letzten fünf Jahren sind nach Angaben von Scheungrab die Kasernengebäude für über zehn Millionen Euro saniert worden. Für die Jahre 2012 bis 2015 werden die ursprünglich geplanten Ausgaben für die weitere Sanierung schrumpfen. "Die Reform macht sich bemerkbar."
Das Familienbetreuungszentrum (FBZ) ist laut Scheungrab eine wichtige Aufgabe am Standort Bogen. Dort werden 250 Personen, bei Auslandseinsätzen bis zu 800 Personen, innerhalb von 100 km Einzugsgebiet um den Wohnort betreut. Betreut werden Familienangehörige, die via Video-Live-Schaltungen mit den Soldaten im Einsatzgebiet sprechen können. Das FBZ leiste wertvolle Unterstützung bei Alltagsproblemen und habe ein psycho-soziales Netzwerk aufgebaut, bei dem die Militärseelsorge, der Bundeswehrsozialdienst und Truppenpsychologen einbezogen sind. Kasernenkommandant Oberstleutnant ErichScheungrab wies auf die Schwierigkeiten, junge Männer und Frauen für den freiwilligen Dienst in der Truppe zu gewinnen. Jeder zehnte Freiwillige springe wieder ab. Früher seien "gute Leute" aus den Reihen der Wehrpflichtigen geworben worden. "Dieses Potential fehlt uns jetzt",so Scheungrab.
Erstaunt waren die Besucher, teils mit Wehrpflicht-Erfahrung über 15 und 18 Monate, über den Zustand der sanierten Gebäude. Mannschaftsgrade seien inzwischen in 2-Bett-Zimmern, ab Feldwebel-Grad gebe es Einzelzimmer-Belegung. Die Ausstattung der Unterkünfte ist laut Scheungrab angepasst worden, um den Beruf attraktiv zu machen. "Wir konkurrieren am freien Arbeitsmarkt."
Es gehe bei der Standortdiskussion nicht nur um die Frage,ob die Streitkräfte die regionale Wirtschaft fördern, sagte Siegfried H. Seidl, Vorsitzender des FDP-Bezirksausschusses für InternationaleBeziehungen aus Eggenfelden. Eine moderne Bundeswehr müsse sich an der Größe und Wirtschaftskraft in Europa orientieren, um die außenpolitische Handlungsfähigkeit sicher zu stellen. "Wenn Deutschland weiterhin bei den Entscheidungen und Planungen im Bündnis gleichberechtigt mitbeteiligt werden soll, geben die strengen Haushaltskürzungen im Verteidigungsetat Anlass zur Sorge",sagte Seidl. Anders als die Hauptverbündeten in Europa gebe Deutschland nur 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus, Frankreich dagegen 1,67 Prozent, Polen 1,95 Prozent und in Großbritannien 2,2 Prozent. "Wir können es uns nicht leisten, die Bundeswehr zu einer zweitrangigen Armee herunterzuwirtschaften." Gleichzeitig gelte es, so Seidl, die Bundeswehr effektiver zu machen. Nach Angaben der Europäischen Verteidigungsagentur kostet eine deutsche Auslandsentsendung unter dem Strich dreimal so viel wie im europäischen Durchschnitt. Hier sei das Verteidigungsministerium gefordert. Dabei könne sich die Politik der Unterstützung der Bevölkerung erfreuen: Eine satte Mehrheit von 83 Prozent, quer durch alle Parteien, sei der Meinung, dass die Bundeswehr auch für die, in der Weltpolitik immer wichtigeren humanitären Zwecke eingesetzt werden soll.